Kurz gesagt: Am Barbaratag, dem 4. Dezember, schneidet man nach altem Brauch Zweige vom Kirschbaum, manchmal auch vom Apfelbaum oder von der Forsythie, und stellt sie ins Wasser. Blühen sie bis Weihnachten, soll das im neuen Jahr Glück bringen. Früher galt es auch als Zeichen für eine baldige Hochzeit.
Wer war die heilige Barbara?
Die heilige Barbara war eine frühchristliche Heilige. Der Legende nach lebte sie in Nikomedien in der heutigen Türkei. Ihr Vater soll sie aus Eifersucht in einen Turm gesperrt haben. Gegen seinen Willen ließ sie sich taufen und blieb bei ihrem Glauben, auch als er sie zum Abschwören drängte. Schließlich verriet er sie, sie wurde verhaftet und musste für ihren Glauben sterben.
Deshalb wird sie bis heute mit einem Turm und einem Schwert dargestellt. Sie gehört zu den vierzehn Nothelfern und ist, zusammen mit Margaretha und Katharina, eine der „drei heiligen Madln“.
Woher kommt der Brauch mit den Barbarazweigen?
Ausgangspunkt ist ein Legendenmotiv aus dem späten Mittelalter: Nach Barbaras Tod sollen in der Weihnachtszeit auf ihrem Grab Blumen geblüht haben. Daraus entstand der Brauch, an ihrem Namenstag Zweige ins Haus zu holen und auf Blüten zur Weihnachtszeit zu hoffen.
Der Überlieferung nach werden die Zweige noch vor Sonnenaufgang geschnitten und in einer Vase aufgestellt, früher gern auf dem Küchenschrank. Meist sind es Kirschzweige, fallweise auch Forsythien.
Was bedeutet es, wenn die Zweige blühen?
Blühen die Zweige bis zum Heiligen Abend, bedeutet das je nach Familie Unterschiedliches. Für die jungen, heiratsfähigen Frauen im Haus kündigte es eine Hochzeit im nächsten Jahr an. Wo keine Jugend mehr im Haus war, stand es einfach für Glück und Freude.
Am bekanntesten ist der Brauch als Liebesorakel. Unverheiratete Mädchen gaben jedem Zweig den Namen eines Verehrers. Der Zweig, der zuerst blühte, verriet, wen sie heiraten würde. Aus dem steirischen Admont wird berichtet, dass jedes Familienmitglied seinen eigenen Kirschzweig ins Wasser stellte. Wessen Zweig bis Weihnachten blühte, dem standen eine Hochzeit oder besonderes Glück bevor.
Der Lyriker Martin Greif hat dem Orakel Ende des 19. Jahrhunderts ein Gedicht gewidmet. Darin holt eine junge Frau drei Zweige vom Kirschbaum und wünscht sich einen Bräutigam, der jung ist und genug Geld hat. Zu Weihnachten blühen nur zwei. Ihre Antwort:
„Ich weiß einen armen Gesellen,
den nehm’ ich, wie er ist.“
Die Schutzpatronin der Bergleute
Abseits der Zweige ist Barbara vor allem als Schutzpatronin der Bergleute bekannt. Sie gilt außerdem als Patronin der Geologen, der Sterbenden, der Gefangenen, der Glöckner, der Architekten und der Feuerwehrleute.
Ob die Zweige wirklich bis Weihnachten blühen, bleibt jedes Jahr spannend. Und falls nicht: Am 5. Dezember geht es mit der Krampusnacht gleich weiter.
Quellen: Diözese Linz, „Die heilige Barbara (4. Dezember)“; Advent in Österreich, „Barbarabrauchtum“, nach dem Heimatverein Schladming.