Kurz gesagt: Die Raunächte sind meist die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 6. Januar, je nach Region auch nur drei oder vier. In vielen Häusern im Alpenraum wird in dieser Zeit mit Weihrauch geräuchert, um Böses fernzuhalten. Der Name kommt vermutlich vom Rauch, vielleicht aber auch von „rau“ für behaart, nach den fellbekleideten Dämonen, die in diesen Nächten unterwegs sein sollen.

Welche Nächte sind die Raunächte?

Am häufigsten zählt man die zwölf Nächte vom Christtag bis zum Dreikönigstag. Vier davon gelten als besonders wichtig: die Thomasnacht vom 20. auf den 21. Dezember, der Heilige Abend, Silvester und die Nacht vor dem 6. Januar. Je nach Gegend sind es aber nur drei, vier oder eben zwölf Nächte, und manche Regionen rechnen ab der Thomasnacht, der längsten Nacht des Jahres.

Woher die Zwölf kommt, lässt sich erklären: Ein Mondjahr aus zwölf Mondmonaten hat 354 Tage, das Sonnenjahr 365. Die fehlenden elf Tage, also zwölf Nächte, galten als „tote Tage“ außerhalb der normalen Zeit. In genau diese Lücke fallen die Raunächte.

Rauch oder rau? Woher der Name kommt

Zwei Erklärungen konkurrieren, und keine ist entschieden. Die eine führt den Namen auf das Räuchern zurück: Schon 1520 und 1534 beschrieben Chronisten, wie Häuser und Ställe in diesen Nächten mit Weihrauch ausgeräuchert wurden. Die andere leitet ihn vom mittelhochdeutschen „rûch“ ab, was haarig bedeutet, wie die Felle der Dämonen, die man in diesen Nächten fürchtete. Das Wort lebt bis heute in der Kürschnerei weiter, wo Pelze „Rauware“ heißen. Je nachdem, wen man fragt, ist die jeweils andere Erklärung eine spätere Umdeutung.

Räuchern: der bekannteste Brauch

In vielen Häusern im Alpenraum wird bis heute geräuchert, vor allem auf dem Land. In zumindest einer der Nächte geht jemand mit einer Pfanne voll Glut und Weihrauch durch alle Räume und durch den Stall, damit Haus, Hof und Tiere vor schlechten Einflüssen geschützt sind. In Hall in Tirol gibt es dazu sogar geführte Raunachts-Rundgänge.

Warum man keine Wäsche aufhängt

Das bekannteste Verbot der Raunächte: Zwischen Weihnachten und Neujahr hängt man keine Wäsche auf, in vielen Regionen Österreichs bis heute. Der Grund ist die Wilde Jagd, eine Heerschar von Dämonen und Seelen Verstorbener aus der germanischen Mythologie, die in diesen Nächten durch die Luft zieht. In Wäscheleinen könnte sie sich verfangen, und wer weiße Wäsche draußen hängen ließ, musste fürchten, dass die Reiter sie mitnahmen. Mancherorts hieß es auch, in dieser Zeit solle man nicht Karten spielen, kein Spinnrad anrühren und keinen Teig rühren.

Losen: Wer hinhört, erfährt die Zukunft

Weil in den Raunächten die Grenze zur anderen Welt dünn sein soll, sind sie die klassische Zeit für Orakel. „Losen“ kommt vom Dialektwort für Hören: Wer in der Nacht hinausging und zufällig fröhliches Singen hörte, dem stand eine Hochzeit bevor. Ein Sägegeräusch kündigte dagegen einen Todesfall an. Bleigießen und Wachsgießen zu Silvester gehören in dieselbe Tradition, auch wenn sie heute eher aus Geselligkeit betrieben werden.

Ein Aberglaube hat es besonders in sich: Um Mitternacht sollen die Tiere im Stall sprechen und die Zukunft verraten. Zuhören sollte man aber nicht. Wer die Tiere hört, stirbt bald darauf.

Perchten, Glöckler und Lärm

Im Alpenraum gehören zu den Raunächten auch die Perchtenläufe. Im SalzburgerLand ist dabei die Habergoaß gefürchtet, ein ziegenähnlicher Dämon mit Tragekorb, der ungezogene Kinder mitnimmt. Die Glöckler, die von Tür zu Tür läuten, sind eine eigene Form davon. Und das Feuerwerk zu Silvester hatte ursprünglich denselben Zweck wie der Weihrauch: Lärm und Licht sollten die Unholde vertreiben.

Ganz nebenbei: Die Raunächte sind nicht die einzige unheimliche Zeit im Dezember. Schon am 5. Dezember geht es mit der Krampusnacht los.

Quellen: Österreich Werbung, „Rauhnachtsbräuche in Österreich“; Wikipedia, „Raunacht“.