Kurz gesagt: Das Luciafest am 13. Dezember erinnert an Lucia von Syrakus, eine christliche Märtyrerin aus Sizilien. Gefeiert wird es vor allem in Schweden: Nach dem alten julianischen Kalender war der 13. Dezember dort der kürzeste Tag des Jahres, und das Fest bringt Licht in die Dunkelheit. Dazu gehören ein Umzug in weißen Gewändern, Lucialieder und Safranbrötchen, die Lussekatter.

Eine Heilige aus Sizilien

Lucia lebte der Legende nach im späten 3. Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien. Sie war wohlhabend, hatte Ehelosigkeit gelobt und wurde wegen ihres Glaubens zum Tod verurteilt. Die Überlieferung sagt, sie sei am 13. Dezember 304 auf dem Scheiterhaufen gestorben. Die Flammen sollen ihr aber nichts angetan haben, am Ende starb sie durch ein Schwert. Heilige werden an ihrem Todestag gefeiert, dem „himmlischen Geburtstag“. So kam der 13. Dezember in den Kalender.

Warum ausgerechnet Schweden?

Dass ein sizilianischer Gedenktag ausgerechnet im hohen Norden zum Volksfest wurde, liegt am Kalender. In den gut hundert Jahren vor der schwedischen Kalenderreform von 1752 fiel der 13. Dezember nach dem julianischen Kalender auf die Wintersonnenwende, die längste Nacht des Jahres. Im bäuerlichen Schweden galt diese Nacht als gefährlich, voller übernatürlicher Wesen. Ein Fest des Lichts passte genau dorthin. Auf dem Land feierte man an diesem Tag außerdem das Ende der Feldarbeit vor Weihnachten.

Wie aus einem Hausbrauch ein Fernsehereignis wurde

Die älteste Beschreibung einer weiß gekleideten Lucia stammt aus dem Jahr 1764 von einem Gutshof in Västergötland in Westschweden. Sie trug Engelsflügel und servierte am Morgen das Frühstück. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich der Brauch von Westschweden über die Universitätsstädte ins ganze Land, und das Freilichtmuseum Skansen in Stockholm nahm ihn in den 1890er-Jahren ins Programm.

Den entscheidenden Schub gab eine Stockholmer Zeitung, die Ende der 1920er-Jahre erstmals eine öffentliche Lucia wählen ließ. Seitdem gibt es Lucia-Wahlen in Städten, Schulen und Vereinen, und das Fest wird in Schweden fast überall gefeiert: in Schulen, Betrieben, Krankenhäusern, Pflegeheimen und live im Fernsehen.

So läuft der Umzug ab

Die Lucia trägt ein langes weißes Gewand, ein rotes Band um die Taille und einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf. Begleitet wird sie von ihren „tärnor“, Mädchen in Weiß mit einer Kerze in der Hand, oft auch von Sternenknaben, von Wichteln und von Pfefferkuchenmännchen. Kinder tragen aus Sicherheitsgründen meist elektrische Kerzen. Gesungen werden Lucialieder, allen voran „Sankta Lucia“. Die Melodie ist übrigens nicht schwedisch, sondern ein neapolitanisches Volkslied, der schwedische Text entstand erst in den 1920er-Jahren.

Lussekatter: die Brötchen zum Fest

Zum Luciafest gehören Lussekatter, S-förmige Hefebrötchen mit Safran, die ihnen die tiefgelbe Farbe gibt. Der Name hängt vermutlich mit einem niederländisch-norddeutschen Festgebäck namens Duivekater zusammen, das im 17. Jahrhundert über Göteborg nach Schweden gekommen sein könnte. Safran kam erst Ende des 19. Jahrhunderts dazu.

Lucia außerhalb Schwedens

Auch in Norwegen, Dänemark, Finnland und bei den dänischen Südschleswigern wird das Fest gefeiert und gewinnt dort an Beliebtheit. In deutschen Partnergemeinden schwedischer Städte gibt es Luciafeiern mit Gästen aus Schweden. Und in Teilen Bayerns hatte die Lucia einst eine ganz andere Rolle: In der Oberpfalz und um Eichstätt war die „Luz“ bis ins 20. Jahrhundert eine vorweihnachtliche Schreckgestalt für Kinder.

Wer das Licht lieber selbst macht: Am 4. Dezember helfen Barbarazweige gegen die Dunkelheit, ganz ohne Kerzen auf dem Kopf.

Quellen: Nordiska museet, „Lucia“; Wikipedia, „Luciafest“.