Kurz gesagt: Nur ein Straight Flush schlägt vier Asse, also fünf aufeinanderfolgende Karten derselben Farbe. Seine höchste Form ist der Royal Flush. Jede andere Hand verliert gegen vier Asse.
Warum nur der Straight Flush?
Ein Vierling, im Pokerjargon „Quads“, ist die zweithöchste Handkategorie im Poker. Darüber steht nur noch der Straight Flush. Vier Asse sind der höchste Vierling, den es gibt. Gegen Full House, Flush, Straße oder alles darunter können sie nicht verlieren.
Beim Texas Hold'em teilen sich alle Spieler dieselben fünf Gemeinschaftskarten. Deshalb kann ein und dieselbe Karte zwei Blätter gleichzeitig vollenden: den Vierling des einen und den Straight Flush des anderen. Die Konstellation ist so selten, dass die meisten Spieler ein Leben lang am Tisch sitzen, ohne sie je zu sehen.
Die berühmteste Hand: Mabuchi gegen Phillips
Main Event der World Series of Poker 2008 in Las Vegas, die ESPN-Kameras laufen. Motoyuki Mabuchi bekommt A♣ und A♠. Der Flop bringt A♥, 9♣ und D♦: ein Set Asse, kaum ein Flop kann besser ausfallen. Ihm gegenüber sitzt Justin Phillips mit K♦ und B♦, nach dem Flop nur ein Bauchschuss auf die Straße.
Der Turn ist die 10♦. Und dann der River: A♦.
Dieselbe Karte vollendet beide Blätter. Phillips trifft den Royal Flush, Mabuchi verbessert sich vom Set zu vier Assen. Der River macht Mabuchi genau in dem Moment bereit, alles zu bezahlen, in dem er nicht mehr gewinnen kann. Mabuchi setzt, Phillips erhöht, Mabuchi sagt „Gamble“ und callt.
Kommentator Lon McEachern fasste es in einem Satz zusammen: „Du floppst ein Set Asse, triffst auf dem River den Vierling und verlierst.“ Die Fernsehübertragung bezifferte die Chance auf dieses Duell mit etwa 1 zu 2,7 Milliarden.
Früher waren vier Asse unschlagbar
Dass überhaupt eine Hand vier Asse schlagen kann, ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Das erste dokumentierte Pokerdeck hatte nur zwanzig Karten: Zehn, Bube, Dame, König und Ass. Vier Spieler bekamen je fünf Karten, Straßen und Flushes gab es nicht. Die Rangfolge endete beim Vierling, und damit konnten vier Asse niemals verlieren.
Irgendwann zwischen 1830 und 1850 kamen die fehlenden 32 Karten dazu. Mit dem vollen Deck entstanden neue Hände: Der Flush setzte sich schnell durch, die Straße stand 1864 zum ersten Mal in einem Regelwerk.
Der Straight Flush verdankt sich dagegen einem moralischen Argument. Im 19. Jahrhundert galt es als unfein, Geld auf eine absolute Gewissheit wie vier Asse zu setzen. Beim damaligen Draw Poker können zwei Spieler gleichzeitig einen Royal Flush halten, in verschiedenen Farben. Vier Asse gibt es dagegen nur einmal im Deck. Der Straight Flush hat vier Asse damit entthront und ist bis heute die einzige Hand, die das kann.
Wie selten ist so ein Royal Flush?
Selbst ohne vier Asse auf der anderen Seite ist ein Royal Flush eine Seltenheit: Bei Texas Hold'em liegt die Chance bei rund 1 zu 30.940. Die ganze Rechnung steht in Wie wahrscheinlich ist ein Royal Flush?
Quellen im Buch: PokerNews zur WSOP 2008; David Parlett, „History of Poker“ und „Poker: a brief history“, zum 20-Karten-Spiel und zur Einführung von Straße und Straight Flush.