Kurz gesagt: Das Pik-Ass war früher ein Steuerstempel. England besteuerte ab 1711 Spielkarten, und ab 1712 musste der Nachweis auf einer Karte selbst stehen. Durchgesetzt hat sich das Pik-Ass. Die Verzierung sollte Fälschungen verhindern, und die Hersteller haben sie bis heute behalten.
Eine Steuer auf Spielkarten
1711 führte England eine Abgabe auf Spielkarten ein: sechs Pence pro Deck, nachgewiesen durch ein Siegel auf der Verpackung. Das Problem an Verpackungen ist, dass sie im Müll landen. Ohne Verpackung kein Nachweis, ohne Nachweis kein Beweis für die gezahlte Steuer.
Also verlangte der Gesetzgeber ab 1712 den Stempel auf einer Karte selbst. Zunächst war es egal, auf welcher. Durchgesetzt hat sich das Pik-Ass, vermutlich aus dem denkbar unspektakulärsten Grund: Es lag im gestapelten Deck ganz oben.
Vom Stempel zum staatlichen Druck
Ab 1765 ging der Staat einen Schritt weiter und druckte dieses eine Ass gleich selbst, mit königlichem Wappen. Die Hersteller bekamen ihre Asse also vom Finanzamt geliefert.
1828 kam eine besonders üppig verzierte Fassung, die eher an eine Banknote erinnerte als an eine Spielkarte. In der Branche hieß sie Old Frizzle. Der Grund für die Schnörkel war kein ästhetischer, sondern derselbe wie bei Geldscheinen: Schutz vor Fälschung.
Auf ein gefälschtes Pik-Ass stand die Todesstrafe
Ein gefälschtes Pik-Ass war kein Kavaliersdelikt, sondern die Fälschung eines Steuerstempels. Darauf stand die Todesstrafe. Der Kartenmacher Richard Harding aus der Gegend um Grosvenor Square wurde genau dafür verurteilt.
Aufgeflogen ist er, weil dem Stempelamt auffiel, dass er auffällig wenige Stempel kaufte und auffällig viele Decks verkaufte. Man schickte den amtlichen Drucker persönlich als Testkäufer los. Sechs Päckchen Karten reichten. Harding wurde am 13. November 1805 gehängt.
Warum die Verzierung geblieben ist
Während der Napoleonischen Kriege stieg die Abgabe auf zwei Shilling und sechs Pence. Kriege sind teuer, und Kartenspieler zahlen freiwillig. Abgeschafft wurde die Steuer erst 1960, als der Verwaltungsaufwand höher war als der Ertrag.
Schon 1862 endete aber der Zwang zum amtlichen Pik-Ass. Die Hersteller hätten die Fläche danach leeren können. Haben sie nicht: Sie behielten die Prunkfläche und setzten ihren eigenen Namen hinein, weil kostenlose Werbefläche eben kostenlose Werbefläche ist. Amerikanische Decks übernahmen die Gewohnheit, obwohl es in den USA nie eine solche Steuer gab.
Das Pik-Ass in deiner Hand ist also die Fassade einer Behörde, die seit 1862 ausgezogen ist.
Quellen im Buch: International Playing-Card Society, „The Ace of Spades“; Old Bailey Proceedings Online, Verfahren t18050918-62.